
Unser Englisch Leistungskurs bei Herrn von G. lässt sich wohl am besten mit folgenden drei Stichpunkten zusammen fassen: viele Mädchen, damit verbundene Zickigkeit und „bedenkenswerte“ Arbeitsmoral.
So ist ein besonders wichtiges Merkmal unseres Kurses das ständige „Vergessen“ der Hausaufgaben und der entsprechende Kommentar des Tutors.
„Ich habe ja schon vieles erlebt, aber so etwas wie Sie ist mir noch nie untergekommen...“ ist da nur ein Beispiel und spricht wohl für sich. Die Frage was denn eigentlich zu tun gewesen sei, war oft ziemlich überflüssig, denn 99,9 % der zu erledigenden Hausaufgaben bestanden aus einem summary des bereits im Unterricht gelesenen Textes, den es in den folgenden Stunden bis ins letzte Detail ( man glaubt ja gar nicht, wie viele äußerst wichtige symbolischen Elemente so eine short story beinhaltet...) zu bearbeiten galt. Oft folgte bei der nun angehenden Besprechung der Hausaufgaben nach ein paar mehr oder weniger schuldbewusst dreinschauenden Gesichtern die Frage „OK, wer von Ihnen hat es denn jetzt überhaupt gemacht??“. Die Antwort darauf wurde dann auch mit dem entsprechenden und bald allzu bekannten Gesichtsausdruck unseres Lehrers bewertet, nach kurzem und ehrlichem Nachdenken wohl auch verständlich.
Allerdings wusste Herr von G. seine Autorität unter auch anderem durch eine Punktabzugsdrohung bei Vergessen oder zu später Abgabe der Klausuren einschließlich detailliert angeordneter Berichtigung durchzusetzen.
Leider teilte er uns seine gesundheitsbedingte Abneigung (giftige Gase) gegen Korrekturflüssigkeiten und Tintenkiller erst Ende 13.1 mit.
Auch aus seinem Missmut gegenüber „eindeutig“ schwänzenden oder nur halbe Tage anwesenden Schüler/innen machte Herr von G. dagegen nie ein Geheimnis. So kam es schon mal zu einer hitzigen Diskussion zwischen dem entzürnten Lehrer und einer in seinen Augen „merkwürdigen“ Schülerin.
Auch die bereits erwähnte hohe Frauen- und Zickigkeitsquote prägten das Klima unserer „Gemeinschaft“, welches unseren Lehrer besonders auf der Kursfahrt entrüstete. Aber im Laufe der Zeit hatte man sich an die auftretenden Unstimmigkeiten gewöhnt und eben vieles nicht mehr zu erst genommen...
Erwähnenswert ist auch unser im wahrsten Sinne des Wortes „einzigartiges“ Kurstreffen, das während des ersten Semesters im allseits bewunderten Haus der Familie von G. stattfand. Bereits im Unterricht hatten wir beschlossen Pizza zu machen und auch schon die dazu benötigten Utensilien aufgeteilt. „Nein, ich bin gegen Tunfisch, es ist ein Unding wie diese armen Tierchen in die Dose gequetscht werden“ war hierbei ein Kommentar von Herrn von G., an den wir uns wohl alle noch eine Weile erinnern... Das Kurstreffen war dann aber insgesamt noch recht gelungen; nachdem einige der Schülerinnen zunächst vergeblich versucht hatten, einen Pizzateig auszurollen, und dabei viel Schweiß und Arbeit investierten, lief Elmar, einer der beiden einzigen männlichen Kursmitglieder, kurze Zeit später zur Höchstform auf, als er seine hausfraulichen Qualitäten unter Beweis stellte (es gelang im fast mühelos den Teig perfekt auf Blech zu bekommen, wobei er sein Tun kommentierte, damit wir auch noch was lernen konnten).
Überrascht wurden wir an diesem Abend ebenfalls von einem „paradiesischen“ Nachtisch. Er war liebevoll von Herrn von G. zubereitet worden, stammte allerdings, wie sich später herausstellte, aus der Tüte; naja, der gute Wille zählt ja bekanntlich!
Warum es trotz des eigentlich doch recht netten Abends, mit lustigem Gesprächstoff nur bei diesem einen Kurstreffen geblieben ist, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben...
Nicht ganz so selten waren dagegen die gemeinsamen kulturellen Unternehmungen unsres Kurses. So können wir stolze zwei Theater und einen Kinobesuch zu unseren kollektiven außerschulischen Aktivitäten zählen. Am letzteren war zwar gerade mal 1/3 des Kurses beteiligt und auch unserem Tutor war es ganz unmöglich, diesen Termin wahrzunehmen, aber wie schon einmal festgestellt, ist es ja der Wille der zählt.
Unser Englischunterricht wurde meist durch die Bearbeitung von zahlreichen mehr oder weniger interessanter Lektüren gestaltet. So erfuhren wir unsrer Zeit als „Englisch - Lkler“ nicht nur eine Menge über Shakespeare, sein Leben und seine besondere Art des Schreibens ( „Sie wissen echt nicht mehr, was ein `sonnet´ ist?“) und das damalige Rollenverständnis zwischen Mann und Frau, sondern wurden auch Zeuge davon, wie eine Horde Jungs sich nach einem Flugzeugabsturz auf einer eigentlich sehr schönen einsamen Insel das Leben zur Hölle machten und dabei das bisher unerkundete Stück Natur fast völlig nieder fackelten oder ein männlicher Teenager nach dem erneuten Rausschmiss von der Schule in der Klapse landete – ein doch recht interessanter Unterrichtsstoff, der schon mal zu kontroversen Gesprächen und Diskussionen führte, auch wenn diese inhaltlich nicht immer ganz den Vorstellungen unseres Lehrers entsprachen.
Während der eben beschriebenen Arbeit wurden auch die Unterschiede der „extremen Gruppen“ des LKs deutlich. Während die Hände einiger Schüler sich unaufhaltsam gen Himmel streckten, übten sich andere stets in vornehmer Zurückhaltung. „Noch jemand außer Cornelia oder Britta??!! “oder „Anybody else??” waren da die häufigsten Motivierungsversuche unseres Tutors.
Leider war es Herrn von G. bei einer Diskussion über einen bestimmten Sachverhalt ( What can we say about the point of view? or Can you describe the behaviour of Mr. X? ) nicht immer möglich, angemessen auf seine „Gesprächspartner“ einzugehen; so rutschte ihm, als er einer Schülerin inhaltlich nicht so ganz folgen konnte, schon mal ein „Häh???“ heraus oder er nahm ohne jeglichen Kommentar zum zuvor gesagten einfach den (zumeist die) nächste/n dran, obwohl es doch nett gewesen wäre, bei einem Missverständnis bei dem betreffenden Schüler noch einmal nach zu fragen... Aber wie sagt man so schön? Nobody is perfect!
Für allgemeine Erheiterung des Kurses sorgten oft (und doch noch viel zu selten) einige mehr oder weniger (wohl eher weniger) intelligenten Aussagen spezieller Schüler/innen. Und einem zu Beginn der Stunde leeren Stuhl an Elmars Platz war selten von einem Fehlen durch Krankheit, sondern eher von einem erneuten Defekt an seinem Fortbewegungsmittel auszugehen, wovon er uns nach seinem letztendlichen Eintreffen immer wieder gerne und mit wachsender Begeisterung in Kenntnis setzte.
Insgesamt betrachtet entstanden in den miteinander verbrachten zwei Jahren wohl trotz der Hindernisse in der Gemeinschaftsbildung einige schöne Freundschaften (oder zumindest hin und wieder ein recht nettes Gespräch) und bestimmt auch die eine oder andere lustige und nette Erinnerung an den gemeinsam verbrachten Unterricht.