
1. Der LK
Zur Konstellation des Leistungskurses ist zu sagen, dass er sich aus
mittlerweile nur noch 17 Personen zusammensetzt. Einige mussten uns leider verlassen
(liebe Grüße an Dr. med. Timo S., André, Böder, Körner und Daniel - ihr
werdet uns immer in Erinnerung bleiben!). Alles in allem eine bunte Mischung
aus ausgeflippten Hobby-Historikern, wie auch angehenden
Geschichtsprofessoren - und -innen und natürlich dem "Chef" Oberstudienrat Wolfgang W.
Die Stimmung und Arbeitsatmosphäre im Unterricht war fast immer locker und
entspannt. Denn nachdem zu Beginn der Unterrichtsstunde erst einmal die
Wochenend-Männererlebnisse und Beziehungsprobleme von Inken S., sowie Martina
R. diskutiert wurden, blieb meist eh nicht mehr viel Zeit für andere
Themen. Beispielsweise besteht bereits seit gut einem halben die Streitfrage
zwischen Herrn W. und Martina, ob denn nun ihr Sohn später Wolfgang Yassir
oder Yassir Wolfgang heißen solle. Und dass, obwohl sie eigentlich keine Kinder
in die Welt setzen wollte. Allerdings kam diese Einstellung ins schwanken,
nachdem wir im Unterricht den Nahost-Konflikt mit Yassir Arafat und Konsorten
durchgenommen hatten. Von dem war sie dermaßen begeistert, dass sie es
während einer Klausur quer durch den Raum brüllte. Zitat: "Ah, dass ist ja voll der
Bauerntrampel, voll ein Asi!". Außerdem sorgten angeregte Gespräche zwischen
den Fußballexperten W. W. und Habil über dessen Versagen im letzen Spiel
des WSV für Furore im Unterricht, wenn man ihn denn noch so betiteln kann.
2. Kontext
Zwei Jahre kamen wir in den Genuss von interessantem und lebensnahem
Unterricht. So empfanden wir die Wirren des Vietnam-Konflikts bei einem gemütlichen
Videoabend im Musikraum unserer Schule nach. Nachdem alle schockiert waren,
mussten wir uns erst einmal mit Wallis and Gromit ablenken. Insgesamt
verbrachten wir eine aufregende Nacht in der Schule, bei der ein Sack Popkorn und so
manch alkoholisches Getränk geleert wurde. Herr W. bot uns sogar die
äußerst bequemen Matten der Turnhalle als Schlafquartier an, er selbst rollte
sich auf einem Luxus-Klappstuhl zusammen, was beinahe ein fatales Ende genommen
hätte. Bei einer Ausstellung über Justiz im Nationalsozialismus in Hannover
konnten wir überprüfen, ob unser Lehrer uns auch immer die Wahrheit erzählt
hat.
Außerdem bereisten wir den halben europäischen Kontinent (oder wenigstens
den Ostblock). Die Rede ist von unserer Kursfahrt nach Budapest und der
Gedenkstättenfahrt nach Polen, auf die später noch näher eingegangen wird. Um die im
Konzentrationslager Majdanek gewonnenen Eindrücke zu verarbeiten, und die
nationalsozialistischen Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen,
bereitete unser Kurs eine Ausstellung über das Konzentrationslager Majdanek
vor, welche einen sehr positiven Anklang fand.
3. W.-Special
"Ich bin völlig neutral!" - der Leitsatz des Herrn Wolfgang W. Und trotzdem
äußert er zu allem und jedem seinen persönlichen Kommentar und gibt überall
seinen Senf dazu. Weiterhin möchten wir insbesondere auf sein Verhalten
während gehaltener Referate eingehen. Nach nahezu jedem gesprochenen Satz des
Schülers fällt ihm eine passende Ergänzung ein. Ganz nach dem Motto: "Damals, als
ich noch jung war, da...". Daher sind im Geschichts-LK gehaltene Referate
meist ein Akt mehrerer Schulstunden, wenn nicht gar Wochen.
Auch sind seine äußerst großzügigen Angebote, uns mitzuteilen, was wir für
die Klausuren lernen sollten, sehr hilfreich. Eine ganze Stunde werden uns
Daten und Fakten aufgezählt - wir schreiben fleißig mit- um uns anschließend zu
sagen "Alles kommt dran!".
Dass unser Lehrer den absoluten Durchblick hat, wurde uns einmal mehr
während der Kursfahrt in Budapest bewiesen. Da viele sehr shopping- begeistert
waren, wurde uns ein Flohmarktbesuch vorgeschlagen. Herr W. wusste ja, wo es
lang geht. Nach stundenlangem Fußmarsch durch die Einöde, entlang einer
Schnellstraße, bei der uns die sengende Hitze und der kilometerlange Weg zu
schaffen machten, gab er dann zu, dass wir wohl einen falschen Weg eingeschlagen
hatten. Aber anstatt in einem der zahlreichen an uns vorbeirasenden Busse
einzusteigen, mussten wir ja der Gesundheit halber zu Fuß laufen (wir wussten bis
dato noch nicht, wie gesund die Luft an einer Schnellstraße ist).
Letztendlich fanden wir den "tollen" Flohmarkt dann doch noch. Er bestand aus ein paar
Bretterbuden und Schrott zu horrenden Preisen. Das war doch mal ein gelungener
Ausflug!
Sehr interessant, allerdings auch anstrengend, war die w.sche
Diät-Phase. Da er drohte, uns zu verhungern, und da seine Laune sich stets auf dem
absoluten Tiefpunkt befand, was nicht mehr auszuhalten war, nahmen sich einige
Freiwillige seiner an. Mit Protest-Briefen und Bildergeschichten, auf denen
halbverhungerte Personen und klappernde Skelette abgebildet waren, wurde er von
seiner Extrem-Diät abhalten.
4. Bewertung
Nach zwei gemeinsamen Jahren ist zusammenfassend zu sagen, dass bei unserem
Leistungskurs lebensnaher Unterricht, Spaß und Zusammenhalt groß geschrieben
wurden. Es war ein Super-Kurs, bestehend aus Schülern und Schülerinnen mit
unterschiedlichsten Auffassungen, was die Zeit besonders interessant machte
(die gegensätzlichsten Meinungen gab es jedoch meist zwischen Lehrer und Schüler
- und zwar aller Schüler!).
Auch gelang es unserem Kurs, viele gute, insbesondere für den Einzelnen
wertvolle, Ergebnisse zu erzielen. So kam beispielsweise Martina nach Herrn
W. ironischem Ausspruch "[...] Schlank wie Göring, flink wie Goebbels und
blond wie Hitler [...]" zu der Erkenntnis, dass
Hitler doch gar nicht blond gewesen sei...Wir gratulieren!